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Neil Young Stammbaum, Biographie, Rocklexikon


Rocklexikon

Aus dem neuen zweibändigem Rock-Lexikon von Siegfried Schmidt-Joos & Wolf Kampmann (Erschienen im ro ro ro Verlag – Preis 16.95€ - je Band ISBN 3-499-62133-8

YOUNG, NEIL: (voc, g, harm, p), mit zweiten Vornamen Percival als Sohn eines Sportjournalisten und Schriftstellers am 12. November 1945 in Toronto, Kanada, geboren, in Winnipeg aufgewachsen, war in den Ensembles Buffalo Springfield und Crosby, Stills, Nash & Young sowie als Solist mit den Begleitcombos Crazy Horse und Stray Gators eine der interessantesten Figuren des vom Drogen-Horror geschwärzten Folk Rock der Post-Flower-Power-Jahre nach 1968. Im Alter von sechs erkrankte er an Kinderlähmung, von der er sich ein Jahr lang in Florida erholte, behielt aber eine schwächere linke Körperhälfte zurück.
Nach der Highschool gehörte er diversen Rock- Amateurbands an, trat in Folk-Clubs auf, schloss sich 1966 der Band Mynah Birds mit Rick James als Leadsänger an und landete, als dieser wegen Wehrdienstverweigerung verhaftet wurde, in Los Angeles.

Buffalo Springfield bereicherte er mit poetisch tiefsinnigen Klagesongs (Broken Arrow) und einem energetischen Lead-Gitarrenspiel; gleichzeitig zermürbte er jedoch das Gemeinschaftsgefühl der Truppe durch mehrmaligen Ausstieg kurz vor Entscheidenen Tourneen und durch Rivalitäten mit Stephen Stills, die bis zu Handgreiflichkeiten auf der Bühne führten. Stills, der Young dennoch in einer Art, Hassliebe verbunden war, holte diesen 1969, nach dem Ende von Buffalo Springfield, in eine Folk Rock-Kongregation, die er kurz zuvor mit Graham Nash und David Crosby gebildet hatte.

In diesem Quartett sublimierten die Flügelmänner Young und Stills ihren musikalischen Ehrgeiz zu einem spannugsreichen Wechselspiel. Während Young die CSN&Y-Gruppe als Demonstrationsvehikel für seine Virtuosität ansah, benutzte er den erdigen Sound des Rock-Quartetts Crazy Horse als Hintergrund für seine Solo-LP's, auf denen er sich als introvertierter Romantiker präsentierte, „der auf der Suche nach einem verlorenen Paradies Amerika ist und bei dieser Suche doch nur eine Alptraumwelt findet“ (Frank Schöler)

Mit schriller, pueriler Stimme lamentierte er auf den Reprise-LP`s Neil Young (1968) Everbody Knows This Is Nowhere (1969), After The Goldrush (1970) zu beißender oder monoton scheppernder Gitarrenbegleitung über die Frustrationen eines ewigen Außenseiters – in Versen, die durch präzise Diktion und die Schönheit ihrer Bildersprache faszinierten.

Der sich in den Millionenumsätzen seiner Platten dokumentierende Doppelerfolg Youngs als Solist und Ensemblespieler verleitete ihn jedoch, sein Talent imagegerecht zu konfektionieren. Er gefiel sich, vor allem auf der Platte Harvest (1972; USA 1, UK 1), in der Pose des Outcast, brachte seine Wehleidigkeit auf einen Generalton, normte seine Melodien als Reprisen früherer Klagelieder und schablonisierte seine Texte zum Einheitslamento eines Cowboy, der F. Scott Fitzgerald und Tennessee Williams gelesen hat.

Nach der Loslösung von Crosby, Stills, Nash (1971) wurde Young immer mehr zur„Greta Garbo des Rock“ (Melody Maker). Er trat aus Krankheitsgründen nur noch selten auf und veröffentlichte seine Platten in immer größeren Abständen.

Mit „Journey Through the Past“, einem Dokumentalfilm über seinen künstlerischen Werdegang, begann der Singer/Songwriter 1972 unter dem Pseudonym Bernhard Shakey in eigener Sache auch mit der Herstellung von Filmen. “Rust Never Sleeps“, “Human Highway”, “Greendale” sollten folgen. Doch die Soundtrack-LP “Journey Through The Past”war mit dermaßen minderwertigem Restmaterial aus Konzerten und Studiosessions vollgepfropft, daß, „Rolling Stone“ es zu Recht als „ungeheuerlich“ empfand, „das dieses Album überhaupt veröffentlich wurde“. Der „Melody Maker“ argwöhnte damals, mit Youngs Talent als Songschreiber sei es vielleicht nicht mehr zum Besten bestellt.

„Ich wurde diesen "middle of the road#"-Kurs allmählich leid“ erklärte der Musiker seine exzentrische Abkehr vom eleganten Harmonie-Pop der CSN&Y Jahre. „Ich bin dann einfach in den Graben gefahren. Das war zwar holpriger, aber ich habe interessantere Leute kennengelernt“. Tatsächlich schien er in seinen zahlreichen Momenten persönlicher Krisen in der Musik eine Lösung aller Probleme und eine neue Standortbestimmung zu suchen.

"Tonight`s The Night" (1975; USA 25, UK 44) war ein brillanter Höhepunkt depressiven Songschreibens und narzisstischer Selbstverlorenheit. „Neil Young wurde zu einem alten Rebellen, weil er vergessen hatte, wohin der Rest der Parade marschiert war“, glossierte der „New Musical Express“ die eigenwillige Art des Sängers, sich Moden zu verweigern oder Trends zu ignorieren. Mit der sorgfältig auf drei Platten zusammengestellten Werkschau „Decade“ (1977) Konnte Young „den Anspruch erheben, neben Bob Dylan der wichtigste Rock- Komponist und Performer zu sein, den Nordamerika hervorgebracht hat.“ (New York Times)

„Rust Never Sleeps“ (1979; USA 8, UK 13), Studio-Begleitalbum zu einem Konzertfilm und einer Live-LP, „verrät mir mehr über mein Leben, mein Land und den Rock&Roll als jede andere Musik, die ich in den letzten Jahren gehört habe“ begeisterte sich „Rolling Stone“-Kritiker Paul Nelson für die Sammlung introspektiver Songs über die alles verzehrende Leidenschaft zur Musik und die Faszination der Gewalt in Amerika von damals und heute.

„Es ist besser, sich völlig zu verbrennen, als zu verrosten“, sang Young in der Ode „Out Of The Blue“, die er den Sex Pistols und ihrem Anführer John Lydon (Johnny Rotten) widmete.

Seine Nachfolgealben klangen zwar mit ihren radikalen Stilvariationen garantiert rostfrei, setzten aber in den Regalen der Plattenhändler Staub an.

„Trans“ (1982) schockte als Elektro-Funk-Versuch, „Everybody`s Rockin`(1983) befremdete als chaotische Hommage an den Rockabilly der 50er Jahre, „Old Ways“
(1985) irritierte als manierietes Country-Album mit reaktionären Obertönen.

Der Kanadier hielt in Konzerten und Interviews nicht mit seiner erzkonservativen Weltsicht und seiner Sympathie für Präsident Reagans unsensible Großmachtpolitik zurück; Jahre später distanzierte er sich vorsichtig von seinen damaligen Ansichten. Dennoch bewahrte ihm eine große Zahl von Sympathisanten aus Fan- und Fachkreisen, die ihr Idol als bizarren Genius verklärten, die Treue.

„Neils Abstieg wurde kaschiert und präsentiert als eine Suche nach neuen Wegen“, erklärte der „New Musical Express”.

Das Album “Freedom” (USA 35, UK 17) von 1989 jedoch befreite Fans und Fachleute von ihren Zweifeln an der andauernden Kreativität Youngs. „New Musical“-Kritiker Gavin Martin: „Seine qualitativ einheitlichste und mitreißendste Arbeit seit dem Ende der 70er Jahre“. Wie im Studio, so auf der Bühne: Der konservative Folk Rocker, der im Song „This Note`s For You“ (1988) das Sponsoren-Unwesen im Rockgeschäft geißelte, barst Anfang der 90er vor jugendlicher Kraft. Seine Gitarreneruptionen degradieren die Mitmusiker zu Statisten, in weiten Sprüngen beherrschte er den Bühnenraum.

Diese kalkulierte Unzähmbarkeit faszinierte die Grunge-Musiker aus Seattle, allen voran Kurt Cobain von Nirvana und Eddie Vedder von Pearl Jam.

Young trat in eine äußerst kreative Phase ein: Er verband sich wieder mit seiner Band Crazy Horse für die Alben „Ragged Glory“ (1991) und „Sleeps With Angels” (1994) „musikalische Trauerarbeit“ nach dem Tod Cobains, der kurz vor seinem Selbstmord versucht hatte, mit Young in Kontakt zu treten.

Daneben veröffentlichte er mit „Harvest Moon“ (1992; USA 16, UK 9) eine Reflexion auf „Harvest“, nahm ein „Unplugged“-Album bei MTV auf, tourte mit Sonic Youth und Teenage Fanclub und machte nach einigem Konzertgeplänkel mit Pearl Jams Eddie Vedder endlich Ernst: 1995 entstand gemeinsam mit den Pearl Jam Musikern „Mirror Ball“, ohne das aus Vertragsgründen die Gruppe Pearl Jam erwähnt werden durfte.

Die Kritik reagierte enthusiastisch: „phantaschtische Momente“ (Mojo), „eine hymnische, ergreifend schlichte und schlanke Beschwörung des Hippietums“ (Rolling Stone). „Don Grungeone“ (New Musical Express) Young präsentierte sich als “große Pop-Diva” (Spex) und genoss den Rummel um seine Person und die Platte, zeigte sich aber auch belustigt: “Ich verbringe heutzutage viel weniger Zeit mit Musik, bin aber viel kreativer“.

Und wenn mal nicht, wich Neil Young einfach wieder in die erhabene Zeitlosigkeit des Folk Rock-Idioms aus: “Talking about you and me / Talking `bout eternity / Talking `bout big time“ (Songtext)

Anlässlich des 1996 wieder mit Crazzy Horse eingespielten Albums „Broken Arrow“ zweifelte Jon Pareles in der „New York Times“, ob Young die sieben neuen Songs „in fünf Minuten oder in fünf Jahren geschrieben hat“. Immerhin hörte der Kritiker aus den zeitlosen Blue Notes und Rock-Riffs eine fundamentale Aussage des umtriebigen Veteranen heraus: „Dein Herz mag brechen, und du weißt nicht wohin. Der Rest der Welt schnattert weiter und kümmert sich nicht darum“.

Die Europatournee mit Crazy Horse 1996 wurde von Jim Jarmusch auf Super-8 grob und körnig gefilmt und kam 1997 als 107-Minuten-Dokumentation „Year of the Horse“ in die Kinos. „Den einzigartigen Sound der Gruppe“, lobte "Der Spiegel", „ dokumentierte Jarmusch in neun wüst ausufernden Songs, darunter "Tonight`s The Night" und "Like A Hurricane", und die musikalischen Pferdestärken der vier verrückten alten Rock-Gäule übertragen sich mühelos in den Kinosaal – vorausgesetzt, der Vorführer hat den Ton aufgedreht“.

1999 gab Young wieder mit Crosby, Stills, Nash einige Konzerte und brachte vier Songs, die er für das eigene Album „Silver & Gold“ (2000; USA 22, UK 10) vorgesehen hatte, ins Reunion-Album „Looking Forward“ der Altherrenriege ein. Er selbst blickte auf „Silver & Gold“, begleitet von Spooner Oldham (kb), Donald „Duck“ Dunn (bg), Jim Keltner (dr), Emmylou Harris und Linda Ronstadt als Backing Vocals, ausschließlich zurück: in seine Kindheit "Daddy Went Walking", zu seiner ersten prominenten Band (Buffalo Springfield Again) und der ersten Liebe "Razor Love". Im zentralen Song „Distant Camera“ war der Prozess des Erinnerns selbst das Thema: „The flash of a distant camera, reconnecting thoughts and action“.

Das in dreijähriger Arbeit in der Abgeschiedenheit von Neil Youngs Farm 70 km südlich von San Francisco entstandene Album wirkte über weite Strecken „wie am Küchentisch geschrieben“, empfand Tom Liwa in „Tip“. Es erinnert „an den verschlissenen Ruhm des Sixties Rock“, rühmte Robert Levine im Magazin „New York“, und reflektierte „die Freundschaften und Exzesse jener Ära“.

„Alle Songs“, schwärmte Christian Buss in der "Berliner Zeitung", „erzählen von Freundschaft und Versöhnung“. Und in all diesem Gehudel, all den „sweetly sentimental sounds“ (Newsweek) der internationalen Presse gab es nur einen, der mit Dissonanzen aufwarten konnte: der Künstler selbst. „Silver & Gold“ war im Mai 2000 gerade eine Woche in den Läden, da titelte die "New York Post": "Did Young change tune?"
Inhalt der Story: Der launische Rock-Star hatte dem renommierten Verlag Random House die Veröffentlichung des Buches „Shakey – The Biographie of Neil Young“ aus der Feder des „Village Voice“-Journalisten Jimmy McDonough untersagt, obgleich Young die Arbeit zuvor genehmigt und sogar daran mitgearbeit hatte. McDonough, der nach Angaben seiner Anwalts acht Jahre an der Biographie gearbeitet hatte, verklagte Young auf 1,8 Millionen Dollar.
Merke: Es ist ein Unterschied, ob man mit seiner Vergangenheit ohne Rücksicht auf Fehlleistungen und Charakterschwächen zwischen Buchdeckeln konfrontiert wird oder ob man sie selbst geschönt besingt.

Als Neil Young im Herbst 2001 in dem weltweit ausgestrahlten TV-Konzert „A Tribute to Heroes“ für die Helden des 11. September John Lennons „Imagine“ intonierte, hinterließ er einen starken Eindruck. Doch als er die letzten Minuten des von den Terroristen entführten United Airlines-Flugzeugs, das bei Pittsburgh abstürzte, zum Anlass des Songs „Let`s Roll“ auf der CD „Are You Passionate?“ (2002; USA 10, UK 24) machte, wurde er zur Galionsfigur für George W. Bushs Feldzug gegen die sogenannte Achse des Bösen: „We`re going after Satan / On the Wings of a dove / Let`s roll for freedom / Let`s roll for justice / Let`s roll for truth”.

Für so viel “irritierendes Post-9/11-Patriotismus-Gewuchtel” (Josef Winkler "Musikexpress") konnten ihn Youngs beste Freunde in den Medien nur entschuldigen. Arne Willander („Rolling Stone“): „Okay, Young wollte diesmal mit Kumpels ein paar Songs spielen, und die brauchten leider ein paar Texte, und so kritzelte der Alte wieder die Platituden auf einen Bierdeckel, die seine belanglosesten Arbeiten ausmachen.

Edo Reents (Frankfurter Allgemeine Zeitung): „Es gibt subtilere Lyrik, und das der Hörer sich ins reagansche „Reich des Bösen“ hineinversetzt fühlt, das nun eben in Richtung Morgenland verrückt ist, muss auch Young nicht wundern“.

Arne Willander: "Doch kann man diesem Archetypen überhaupt gram sein? Sogar ein mediokres, wenngleich irritierendes Album ist doch ein würdiger Vitalitätsbeweis."

Jedenfalls durfte es nun gut und gern mal wieder etwas Substanzielles sein. Das Konzeptalbum „Greendale“ (2003; USA 22, UK 24), vom "Musikexpress" als „Rock-(Seifen-)Oper eingeschätzt, begann klein als Studio-Trioprojekt mit den Crazy Horse-Musikern Billy Talbot (bg), Ralph Molina (dr) und wuchs sich zu einem abendfüllenden Spielfilm mit surrealen Schnitten und grobkörnigen Bildern aus.

„Ursprünglich filmte ich die Studioaufnahmen des Albums für ein mögliches Video“, so Young im Interview mit „Tip“: Die Rohfassung dieses Films fand ich aber langweilig, denn wir spielen nur Musik, obwohl in den Songs ja klare Rollen verteilt werden. Also machten wir ein paar zusätzliche Aufnahmen mit Schauspielern, und plötzlich sah es aus wie ein Spielfilm“.

Es ist die Geschichte der amerikanischen Kleinstadtfamilie Green um den Großvater, einen alten Eisenbahner, der „für eine Reihe von Werten steht, die sich verändert haben: Amerika wird attackiert, Abhörfallen werden legal, all diese Dinge mit ihren unglaublichen Auswirkungen. Seine Zeit ist vorbei, er versteht nicht mehr, was vor sich geht“ (Young) und stirbt. Seine Enkelin übernimmt Opas Ideale: „Sie studiert die Medien, um die Umwelt zu retten, macht sich Gedanken um Ökologie und ihr Verhältnis zu Tieren“. Diese Geschichte stehe, so Young, für die gesamte amerikanische Erfahrung: „Eine Person am Ende ihres Lebens, die aufgrund all der Korruption und Manipulation völlig desillusioniert ist, und eine andere, die ihre Kraft für Frieden und Umwelt einsetzt“.

Arne Willander: "Nun will Neil Young noch zum realistischen Erzähler werden, wie sein Vater einer war. Sein schon konzertant dargebotenes „Greendale“ ist jedoch nur eine sentimentale Kleinstadtparabel in der Art von Thornton Wilder, eine Beschwörung alter Zeiten und, jawohl, alter Werte – und, schlimmer noch, ein Abglanz musikalischer Großtaten. Greendale ist das Äquivalent zur Tabakspfeife, die nur noch qualmt, nicht mehr glüht." Doch der Sänger nahm die Pfeife nicht aus dem Mund.

Sein Album „Prairie Wind“ (2005), mit Session-Musikern in Nashville aufgenommen, bezeichnete Thomas Groß in der "Zeit" als „einen Liederkranz, bei dem Ökomystizismus, Bauernweisheit und Heimatliebe eine innige Verbindung eingegangen sind“.

Während der Aufnahmephase musste sich Young in New York einer lebensgefährlichen Gehirnoperation unterziehen, nachdem eine Arteriengeschwulst festgestellt worden war.

Etwa zur gleichen Zeit starb sein demenzkranker Vater. Die Todesnähe in den Songtexten kam also nicht von ungefähr: „It`s a long way behind you / And a long way ahead / If you follow every dream / you might get lost”, oder auch: “It`s only a dream / And it`s fading now / Just a memoryy / without anywhere to stay.” Im Song “No Wonder” nahm er sogar (fast) das fatale “Let`s Roll“ von 2002 wieder zurück: „Tick-tock the clock says on the wall / No wonder we`re losing time… This song from 9/11 / Still rings in my head”.

Während er aber in seiner berüchtigten 9/11- Hymne noch vorwärtsgewandte US-Tugenden wie Zivilcourage und Einsatzfreude ins Feld geführt habe, konstatierte Thomas Groß, bleibe es auf „Prairie Wind“ beim Besingen einer pastoralen Gegenwelt: „Was selbst hartnäckige Fans bestürzen muss, ist die Tatsache, dass das Utopische des Inhalts neuerdings durch keine adäquate Form mehr gedeckt ist.

Wo früher die Gitarren heulten wie die Präriewölfe, wo Young mit seiner Band Crazy Horse die Bühne gleich einer zum Trio geschrumpften Büffelherde bestampfte, bleibt es auf seinem jüngsten Album bei geistiger Schönmalerei. "Liebe ist, wenn es Landliebe ist."

Unmittelbar nach dem Abschluß von Prairie Wind fragte Young beim Hollywood Regisseur Jonathan Demme („Das Schweigen der Lämmer“) an, ob er Lust habe, einen Konzertfilm mit ihm zu drehen. In zwei Vollmondnächten im August 2005 wurde Youngs Auftritt im alten Ryman Auditorium in Nashville, einst Heimstatt der Grand Ole Opry, mit acht Kameras eingefangen – hauptsächlich Nahaufnahmen auf den Star und seine Gäste, darunter Ehefrau Pegi Young, Spooner Oldham, Emmylou Harris. Dazu allenfalls Interview-Schnipsel, keine Schwenks ins Publikum, keine hastigen Schnitte. „Jonathan Demmes "Heart Of Gold" dürfte der intensivste, entschlackteste und direkteste Film sein, der je über Neil Young (und womöglich auch über jeden anderen Rockstar) gemacht wurde“, befand der Cineast Josef Engels in der „Welt“.

Die Intensität die Youngs Imagine in „A Tribute to Heroes“ über den kleinen TV-Schirm vermittelt hatte, nahm nun in einem Oldie von Ian Tyson die große Leinwand ein. Dieses Lied, erklärte Neil Young, nachdem er zuvor zu einer akustischen Gitarre, die er von Hank Williams geschenkt bekommen habe, mit Emmylou Harris „My Old Guitar“ gesungen hatte, habe er als Kind in einer Jukebox entdeckt und seither Hunderte Male angehört. Es sei das schönste Lied, das er kenne. Großes Kino: „Still I wish you`d change your mind / If I asked you one more time / But we`ve been through this / A hundred times or more…/ Four strong winds that blow lonley / Seven seas that run high / All those things that don`t change / Come what may…”. Die Eingangszeile, “Ich wünsche mir, du änderst deine Meinung”, bezog er nun offenkundig auf sich selbst.
Was sich auf Prairie Wind zaghaft angedeutet hatte, vollzog sich auf „Living With War“ (2006) musikalisch und textlich mit Brachialgewalt: die Rolle rückwärts.

Innerhalb von 2 Wochen Ende März, Anfang April mit Rick Rosas (bg), Chad Cromwell (dr) und einen schartig trötenden Tommy Bray (tp) aufgenommen, rotzte Young unter dem Etikett „Metal Folk Protest“ eine wutschnaubende Abrechnung mit der Bush-Ära heraus.

„Die Gitarre klingt wie eine verzerrte Friedensglocke“, befand Maik Brüggemeyer im deutschen "Rolling Stone": „Die Stimme überschlägt sich fast, und man kommt aus dem Staunen nicht heraus. Das ist nicht der onkelhafte Neil Young von Prairie Wind, eher der archaische von Tonight`s The Night und Rust Never Sleeps“.


„I`m living with war every day“, hob der Sänger an. “”Thousands of children scarred for life / Millions of tears for a soldier`s wife”, verkündete er im Song “Shock And Awe”. Ein Chor von hundert Unwilligen erhob die Stimmen im Titelstück: “I raise my hand in peace.../ I take a holy vow to never kill again“.

Schließlich jagte er den Präsidenten wegen Verlogenheit, Kriegstreiberei, Amtsmissbrauch und Veruntreuung öffentlicher Gelder aus dem Weißen Haus:

„Let`s impeach the president for lyin` / Misleading our country into war / Abusing all the power that we gave him / And shipping all our money out the door”.

In gewissem Sinne kämen jedoch Bushs Glücklosigkeit und seine absinkenden Umfragewerte einer Amtsenthebung nahe, konstatierte Uwe Schmitt in der „Welt“: "Amerika lebt mit dem Krieg, schlecht und noch eine Weile. Neil Young hat das gemerkt." Man solle sich allerdingst mit der Rettung Amerikas beeilen, spottete Frank Sawatzki im "Musikexpress", sonst habe es sich der gebürtige Kanadier schon wieder anders überlegt.

Gleich nach dem Erscheinen der CD brachte er die wohlfeilen Protestlieder in die„Freedom Of Speech Tour 06“ des vertrauten Wohlklangquartetts Crosby,Stills, Nash & Young ein.

Als dann im Oktober 2007 die CD “Chrome Dreams 2” in die Player schlüpfte, ging ein allgemeines Aufatmen durch die Gazetten. Dazu Musikexpress: “Chrome Dreams 2” ist das beste Neil Young-Album seit dem 1990er “ Ragged Glory”! Es ist die Fortsetzung der LP „Chrome Dreams“ von 1977 mit grandiosen Stücken wie „Like A Hurricane“, „Too Far Gone“, „Powderfinger“, die Young damals abgemischt, gemastert und designt, aber niemals veröffentlicht hatte.

Auf die Frage: „Warum nicht?“ antwortete er in der "New York Times": „Sometimes there isn`t a good reason. It just passed me by“.

Er war von anderen Dingen abgelenkt worden und hatte die LP schlicht vergessen:„That`s happened a lot“!

Seither war sie ein Bootleg-Hit im Underground. Dort knüpfte er mit der Ausgabe 2 wieder an; eine interessante Truppe begleitete ihn: Ralph Molina von Crazy Horse (dr), Ben Keith von den Country-Projekten seit Harvest (g.steel-g), Rick Rosas, zuletzt bei Living With War (bg), dazu Youngs Frau Pegi(voc) und deren Pianist Anthony Crawford.

Kritiker Albert Koch "Musikexpress": “Chrome Dreams 2 ist Folk `n `Country-Rock, im Blues verwurzelt, leichtfüßig Geshuffle, Country im Dreivierteltakt Barbershop-Chöre, Entwürfe von Old Time Music auf Kinderliedbasis (The Way), episches Gitarrengeknödel (im über 14-minütigen No Hidden Path) – und das alles mit dem leichten und souveränen Unterton der Egalität vorgetragen. Vor allem aber hat dieses Album Songs. Richtige Songs“.

Das er einmal ein grandioser Instrumentalist, Sänger, Songdichter und Innovator gewesen war, den das britische Magazin „Mojo“ 1996 unter die 100 größten Gitarristen auf Platz zwei wählte und das Magazin „Paste“ aus den USA 2006 unter den größten lebenden Songautoren gleich hinter Bob Dylan auf Platz zwei, konnte auch anhand des Projekts „Neil Young Performance Archives“ überprüft werden – unveröffentlichtes Studio, Live- und Film-Material, mit deren Edition er im Herbst 2006 mit der CD „Live At The Fillmore East 1971“ begann und sie im März 2007 mit „Live At Massey Hall 1971" fortsetzte. Die Box „The Archives 01: 1963 – 1972 mit acht CDs, drei DVDs und einem 160-Seiten-Buch kündigte er an.

Arne Willander: “Der heilige Gral der Rockmusik“ Neil Young gelte als der große Nonkonformist der Rockmusik, als der große Unbekannte, schrieb sein deutscher Biograph Edo Reents 2002 in der FAZ:
„Musikalisch mag das zutreffend sein – hier macht er, zuweilen mit katastrophalem Ergebnis, keine Zugeständnisse. Was seine Weltsicht betrifft, ist er jedoch so zuverlässig wie der amerikanische Mittelstand. Man sollte ihn vor seinen wohlwollenden Kritikern in Schutz nehmen und ihm die Maske des Nonkonformisten vom Gesicht reißen. Sie steht ihm nicht“.

 

Neil Young Biographie

Das Geheimnis von Youngs Erfolg ist seine Maxime „Es gibt keine Regeln.“ Deren praktische Anwendung offenbart eine Anekdote, die Irving Azoff, Manager der Plattenfirma MCA, erzählte: "Als Young 1975 nach dreijähriger Bühnenabstinenz wieder auf Konzerttour ging, spielte er nur das Material der damals nagelneuen und tief depressiven „Tonight`s The Night“-LP. Azoff war von seiner Agentur als Manager für Neil Young abgestellt und herrschte den Sänger an, als dieser von der Bühne ging: „Geh´ raus und spiel´ endlich etwas, das die Leute kennen!“ Neil Young machte kehrt, ging auf die Bühne zurück- und spielte noch mal „Tonight´s The Night“.

Ja, ja... so ist er nun mal! Besser ist der kanadische Musiker gar nicht zu charakterisieren.

Weitab von sonst üblichen Elementen wie Glamour, Mode und Verkaufszahlen lässt er sich nicht verbiegen und zeichnet sich durch eine ganz besondere Konsequenz ab.

Geboren am 12.November 1945 in Toronto, Kanada, tingelte er ab 1963 als Folk-Songwriter durch die Clubs seiner Heimatstadt. Hier traf er auch eine verwandte Seele in Form von Stephen Stills, mit dem er ab 1966 in Los Angeles die Folk-Rock Gruppe „“Buffalo Springfield“ gründete. Aus dieser Zusammenarbeit, die zwei Jahre dauerte, erschienen drei veröffentlichte Platten, die den ersten Erfolg brachte.

Sein erstes Soloalbum erscheint 1969 mit dem schlichtem Titel “Neil Young“. Die große Anerkennung blieb aber diesem Erstling verwährt. Erst mit dem nachfolgendem Album “Everbody Knows This Is Nowhere“ mit den Klassikern “Cinnanom Girl,“ “Cowgirl In The Sand“ und “ Down By The River“ kam der Durchbruch. Auf dieser Platte arbeitete er zum ersten Mal mit Crazy Horse zusammen, die Gruppe, die ihn bis heute immer wieder begleiten wird.

Beim legendären Woodstock-Festival tritt er mit "Crosby, Stills und Nash" auf. Diese Gruppe ergänzte er immer wieder gelegentlich, für die er u.a. “Helpless“ und “Country Girl“ komponierte. CSN&Y wird eine der erfolgreichsten Gruppen des Folk-Rock Genres. 1971 verlässt er die Band zwar, ist aber immer wieder für ein Reunion-Album gut, das letzte 1999 mit “Looking Forward“.

Nebenher veröffentlicht Young 1970 “After The Gold Rush,“ ein Erfolg, der ihn den Weg ebnete für das Grandiose “Harvest (1972)“, das Album, das ihn zum Superstar machte. Aufgenommen in Nashville und zwischen Folk, Rock und Country angesiedelt, wird es in den USA zur meistverkauften Platte des Jahres. Mit “Heart Of Gold“ enthält es wohl zudem sein allgemein bekanntestes Lied.

Es folgte eine erste Phase von persönlichen Krisen, die mit der Geburt eines geistig behinderten Sohnes und mit dem Drogentod mehrerer Personen aus seiner nächsten Umgebung in Verbindung gebracht wird. In dieser Phase, die bis 1978 andauert, werden sieben meist düstere und mit Hoffnungslosigkeit gespickte Alben rausgebracht. Das 1975 veröffentlichte “Zuma“ ist das wohl einzige Album das aus dieser Schaffensphase hervor zu heben ist. Mit dem Klassiker „“Cortez The Killer“ erlebte diese Platte seinen Höhepunkt.

Ab 1979 ist alles wie weggeblasen: Young is back!!! Mit Unterstützung seiner alten Truppe Crazy Horse nimmt er “Rust Never Sleeps“ auf, das Anfang der 90er Jahre als die Geburtsstunde des Grunge gilt. Ein Vers von Hey Hey, My My erhält durch den Abschiedsbrief von Kurt Cobain (Nirvana) Berühmheit: “It´s better to burn out than to fade away“.

Kurz darauf wird “Live Rust“ (auch als Video) veröffentlicht. Typisch für seine Auftritt, akustische Gitarre, zusätzlich Mundharmonika, und immer wieder stark wippend mit dem Oberkörper in Feedbackorgien vertieft.

Privat läuft es weiter sehr schlecht für ihn. Im Jahre 1978 wird sein zweiter Sohn ebenfalls behindert geboren. Daraufhin verschwindet er größtenteils in den 80er Jahren aus den Augen seiner Fangemeinde. Es kommt wohl jährlich eine neue LP auf den Markt, worauf er verschiedene Stilrichtungen ausprobiert, mit Country bei “Old Ways“, Rock`n Roll und sogar mit lektronischer Musik, zu finden auf dem 82er Album “Trans“. Aber der Tiefpunkt kam noch erst mit dem im Jahr 1986 erscheinenden Platte “Landing On Water“. Mit Kinderchor und viel Synthiesizer strapaziert er die Ohren seiner Fans. Das auch seinem Label nicht verborgen blieb, woraufhin ein Rechtstreit entbrannte, weil in ihren Augen diese Platte unverkäuflich wäre.

Ein Neubeginn steht 1988 mit dem bluesigen “This Note`s For You“ bevor, zusammen mit dem selbigen Video bekam er einen MTV-Award. 1989 das fulminate “Freedom“ mit der Young Hymne “Rockin`In The Free World“, das klasse Album “Ragged Glory“ und “Weld“, wieder mit Crazy Horse. Rockmusik vom Feinsten.

Danach wurden seine Platten ruhiger. An das 72er “Harvest“ anknüpfende “Harvest Moon“ (1992) und auch ein Unplugged-Album mit dem selbigen Titel erschien 1993.

Das Neil Young auch Fans unter unter viel jüngeren Bands hatte, bewies er mit dem 1995 erscheinenden Platte “Mirror Ball“. Zusammen mit keinem geringerem als Eddi Vedder und seinen Pearl Jam wurde das Album in vier Tagen geschrieben und aufgenommen. Und was rauskam konnte sich hören lassen. Young und Pearl Jam in Höchstform.

Für Jim Jarmushs Film “Dead Man“ schrieb Young 1996 den Soundtrack. Danach, mal wieder mit Crazy Horse zusammen, “Broken Arrow“. 1997 bedankte sich Jarmusch, für den gelieferten Sondtrack, mit dem Film “Year of the Horse“. Eine Liveaufnahme, von der es auch eine gleichnamige Platte gibt.

Von Kritikern und Fans gleichermaßen gefeiert, wurde das im Frühjahr 2000 erscheinende arkustische Meisterwerk „“Silver And Gold“.

Auf “Road Rock Volume I“, einem Livealbum, wird der erste Teil einer Welttournee dokumentiert.

Als großen Patrioten lernen wir ihn nach den Anschlägen von 11.September 2001 kennen. Bei einem Benfizkonzert im Madison Square Garden, spielte er zusammen mit Mariah Carey, Tom Petty und Willie Nelson eine neue Version von “America The Beautiful“ .

Das Thema von den Anschlägen finden wir auch auf dem 2002er Album “ Are You Passionate?“. Das Stück “Let´s Roll“, wird den Passagieren des Flugzeuges gewidmet, das als einziges nicht das angestrebte Ziel ihrer Entführer erreicht und in Pennsylvania abstürzte.

Anfang 2003 erscheint mal wieder etwas Neues von Neil Young. Unter dem Titel “Greendale“ erstellt er ein Konzeptalbum, in dem er das Leben in einer fiktiven Stadt mit Namens Greendale erzählt. Bei den Kritikern nicht wohl gelitten, freut sich der Fan über ein rundum gelungenes Album.

... Fortsetzung folgt

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